Cupspektakel in Jonschwil
Vergangenen Sonntag war es also endlich soweit, der 16tel-Final des Schweizer Ligacups im Unihockey wurde ausgetragen. Nachdem die Vipers sich in der vorherigen Runde äusserst knapp und mit viel Kampfgeist gegen den UHC Mutschellen durchsetzen konnten, wartete nun das Traumlos. Die Bündner von Blau-Gelb Cazis, immerhin der amtierende Kleinfeld-Meister und Kleinfeld-Cupsieger, stand als Gegner auf dem Matchblatt. Die Vorfreude der Jonschwiler Herren war dementsprechend hoch, hat man in einem Unihockey-Leben doch nicht oft die Chance, sich in einem Wettbewerbs-Spiel, mit einem solch grossen Gegner zu messen.
So versammelten sich die Jonschwiler Protagonisten bei schönstem Nach-Sommer-Wetter in der OZ Degenau Turnhalle und bereiteten die Bühne für das Spiel vor. Natürlich hoffte man auf viel Wirksamkeit der gemachten Werbung, ob in Social Media oder in der gedruckten Zeitung, was viele Zuschauer bedeuten würde. So wurde extra ein Grill aufgebaut, die Festwirtschaft durch ein paar Zusätze aufgemotzt, sowie die Galerie durch ein paar Boden-Elemente kurzfristig zweistöckig umgebaut, damit möglichst viele Zuschauer Platz fanden. Dies alles sollte sich lohnen, fanden doch um die 100 Zuschauer den Weg in die Halle und unterstützten die Vipers bei Ihrem geplanten Husarenstück.
Nun genug der Vorworte, Unihockey wurde ja schliesslich auch noch gespielt. Ein konzentriertes Einspielen, ein paar motivierende Worte des Captains sowie des Trainers und schon war man vor der Turnhallentür bereit für das Einlaufen in die Arena. Die kurzfristig noch eingebaute Starting-Four wurde durch das Publikum mit lautem Klatschen getragen und bescherte den Spielern einen warmen Empfang. So war dann pünktlich um 16:00 Uhr alles angerichtet für das erste Bully dieses Cup-Fights. Die Vipers fassten von Anfang an die Devise, sich nicht zu verstecken, um gegen den grossen Gegner mithalten zu können. Anscheinend rechneten die Favoriten aus Cazis genau mit dem Gegenteil, weshalb sich gleich zu Beginn einige Chance für die Vipers ergaben. Da die beiden Offensiven nach den ersten unglücklichen Abschlüssen oder Paraden der beiden Torhüter, immer besser in Fahrt kamen, war es eine Frage der Zeit, bis das erste Tor fallen sollte. Am meisten Mut getankt hatte definitiv die Jonschwiler Nummer 10. M. Hasler schnappte sich nach fast exakt zwei Minuten die freiliegende Kugel, bugsierte diese einhändig, staubtrocken und aus der Drehung heraus in den Netzhimmel und liess so die Halle das erste Mal beben! Der Underdog also in Führung, sicherlich schon einmal etwas was nicht jeder auf der Rechnung hatte. Allem Anschein nach, auch nicht der Gegner aus dem Bündnerland. Denn nur etwas mehr als eine Minute später, folgte die nächste Jubelwelle in der gefüllten Turnhalle. Zwar blockten beide Defensive-Verbände die Abschlussversuche was das Zeug hielt, trotzdem fiel dann genau so ein Block plötzlich unserem «Fussballer» R. Zimmermann vor den Stock und dieser volleyte das Ding ins Netz! Jonschwil führte nun schon mit 2:0 gegen den grossen Favoriten! Dieser Zwischenstand darf man sich auf der Zunge zergehen lassen! Da sich einige Zuschauer nun schon die Frage stellten, ob sich hier tatsächlich die Sensation anbahnte, nahm sich Cazis vor, diese Frage mit einem klaren NEIN zu beantworten. Trotzdem vergingen nochmals fast 3 Minuten, in welchen sich die Vipers-Defensive einige Male auszeichnen durfte, bis der im Tor agierende Schreiberling das erste Mal hinter sich greifen musste. Somit war nun auch der Favorit im Spiel angekommen. Nun brachen aber keineswegs gleich alle Dämme bei den Vipers, man spielte konzentriert weiter und konnte die Führung weiter verteidigen. Auch wenn die Tore nicht am Laufmeter fielen, waren gefährliche Aktionen definitiv keine Mangelware – im Gegenteil! Der Vipers-Schlussmann M. Malgaroli, durfte sich mit einem gehaltenen Penalty noch eine persönliche Erinnerung machen, welche sich in jedem Torhüter-Lebenslauf sehr gut ansteht. Nach 7 gespielten Minuten wurde es dann aber schon fast etwas hektisch. Die Bündner konnten gleich einen Doppelschlag landen und holten sich so zum ersten Mal in diesem Spiel die Führung, 2:3 nun also. Das man sich aus Vipers-Sicht aber davon nicht beeindrucken liess, zeigte S. Müller im direkten Gegenzug. Ein laserartiger Pass aus der Verteidigung, eine fast schon brasilianische Tanzeinlage um den Torwart herum und sauber den Ball versenkt, Ausgleich! Leider liess sich auch Cazis vom erneuten Jubelsturm der Jonschwiler Spieler und Zuschauer nicht verunsichern und stellte kurze Zeit später wieder auf Führung, 3:4 aus Sicht der Vipers. Ab Minute 14 des Startdrittels, zeigte der amtierende Cup-Sieger dann zum ersten Mal seine Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Gleich dreimal hintereinander zappelte der Ball, in regelmässigen Abständen, im Vipers-Tor. Dies bedeutete dann eine etwas komfortablere Führung für die Blau-Gelben. Um allen Anwesenden und auch dem Gegner aber klar zu machen, dass hier noch gar nichts entschieden war, fasste sich der Captain, M.Gämperli, ein Herz und drosch eine Rakete von Freistoss direkt ins Glück zum 4:7. Unglücklicherweise mussten die Vipers dann, praktisch im Gegenzug und kurz vor dem Pausenpfiff, noch das 4:8 hinnehmen. Dies trübte aber den Stolz und die Freude, sowie definitiv auch die Hoffnung nach diesem doch starken Resultat in den ersten 20 Minuten keineswegs.
Währenddessen sich die Zuschauer und Helfer mit einer feinen St. Galler Bratwurst oder einem Cervelat und dem dazugehörigen Getränk verpflegten, ging es für die Vipers in erste Linie darum durch zu schnaufen. Die Intensität des Spiels war doch einiges höher als man es sich gewohnt war, was denn einen oder anderen (vor allem mich im Torhüter-Gewand) einige Schweissperlen mehr als sonst kostete. Trotzdem wurden nochmals einige Dinge zur Verbesserung angesprochen, um dann pünktlich zum zweiten Umgang zu starten.
Sind die Vipers sonst eher als Langsam-Starter bekannt, zeigten Sie sich heute in Ihrem besten Sonntagsanzug. Kaum war das Bully gespielt und der Ball einigermassen im Spiel, luchste Dauerläufer D. Alpert die Kugel dem Verteidiger ab und versenkte das Spielgerät unhaltbar in den Maschen – nur noch 5:8! Dies war der Start zur wohl stärksten Phase der Gastgeber. Nur eine Minute später setze nämlich wiederum M. Hasler zu Part 1 seiner Schlitzohren-Tore an. Freistoss ausgeführt, ums Tor gezogen und zack, mit dem «Buebetrickli» getroffen, gibt ja nichts Einfacheres! Da waren es nur noch zwei Tore Rückstand, 6:8! Die Vipers spielten sich in einen Rausch und dominierten kurzerhand den eigentlich übermächtigen Gegner nach Belieben. Die Offensive der Vipers fuhr einen um den anderen Angriff aufs Tor der Gäste und versuchte zu reüssieren. Und tatsächlich! Wiederum konnte M. Hasler den Ball auf dem Mittelkreis kontrollieren und dann in bester Scharfschützenmanier, Ueli Maurer wäre beeindruckt, am Torhüter vorbei und zwischen die beiden Torpfosten zum 7:8 hämmern! Die Halle bebte nun nochmals, waren die Vipers nun wieder nur ein Tor in Rückstand und auf verheissungsvollem Weg auch dieses Handicap noch wett zu machen! Trotz euphorisiertem Gegner liess sich der Serienmeister aus Cazis aber nicht beeindrucken und setze selber zum Gegenschlag an. Nur 12 Sekunden nach dem 7:8 war der Zwei-Tore-Abstand und 30 Sekunden später ein Drei-Tore-Abstand wieder hergestellt. Dies war natürlich ein herber Dämpfer für die aufopfernd kämpfenden Jonschwiler. Als dann zur Spielhälfte noch das 7:11 fiel, beendete M. Malgaroli seinen Arbeitseinsatz und überliess die Bühne dem einzigen Meister in Jonschwiler Reihen, Ex-Schreiner-Weltmeister P. Egli. Dieser durfte dann gleich als erstes einmal Jubeln, als M. Hasler sein viertes Tor des Tages und drittes in Folge verbuchen konnte. Mit einem tiefen Handgelenkschuss erwischte er den gegnerischen Torhüter zwischen den Hosenträgern und so verkürzten die Vipers auf 8:11. Nachdem P. Egli durch einige starke Paraden gut ins Spiel gefunden hatte, zogen die Jonschwiler Herren leider eine schwarze Phase ein. Innerhalb von 40 Sekunden (!) trafen die Blau-Gelben Bündner gleich drei Mal und konnten so auf 8:14 stellen, was für viele schon nach einer kleinen Vorentscheidung aussah. In diesem Glauben waren anscheinend auch die Caziser, denn wiederum nahm in dieser entscheidenden Phase der Captain, M. Gämperli, die Zügel in die Hand und verkürzte nur wenige Sekunden später mit einem satten Strich in den Netzhimmel! Dies wurde auf Seiten des Favoriten zur Kenntnis genommen, mehr aber nicht. Somit bedurfte es eines Geniestreichs des toll aufspielenden M. Haslers um nochmals etwas Eindruck beim Gegner zu machen. Ein Freistoss in der Defensive der Bündner, welcher normalerweise locker seinen Adressaten auf der Gegenseite findet, wird von M. Hasler auf halbem Weg abgefangen und direkt am übertölpelten Torhüter vorbei ins Netz verfrachtet. Der zweite Part der Marke Schlitzohr, über welches sich das ganze Team freut, da es gleich auch das Zehnte war. Was das bedeutet, muss ich an dieser Stelle sicherlich niemanden erklären, darum einfach Dankä Hasä! Befreit von der Bürde des zehnten Tores, zeigte nochmals der Mann mit der Binde am Arm sein Können. Captain M. Gämperli hatte sicher schon schwerere Aufgaben, führte aber den Reigen der Vipers Tore fort und traf nach mustergültiger Vorarbeit von K. Leutenegger ins Tor zum 11:14. Wiederum keimte bei den Hausherren die Hoffnung auf, hier doch nochmals an der Sensation zu schnuppern, doch auch dieses Mal zeigten sich die Cuperfahreneren als Spielverderber und legten bis zur Drittelspause Ihrerseits gleich einmal 3 Tore nach – 11:17 zum zweiten Pausentee.
Die toll supportenden Zuschauer durften dann nochmals das schöne Wetter ausserhalb der Halle geniessen und die Vipers sammelten Ihre letzten Kräfte um nochmals alles aus sich herauszuholen. Nochmals einige taktische und spielerische Hinweise von Neo-Trainer M. Ammann sollten das Team bestmöglich auf die letzten 20 Minuten vorbereiten.
Schnell war sämtliches Personal wieder bereit und schickte sich an, das letzte Drittel dieses Cup-Spektakels in Angriff zu nehmen. Wiederum starteten die Vipers wie die Feuerwehr und unterboten Ihre eigens gesetzten Massstäbe für ein schnelles Tor gleich nochmals. Denn nur 12 Sekunden nach Wiederanpfiff durfte die Jury das erste Mal die Zeit anhalten! Wieder einmal reihte sich D. Alpert in die Torschützenliste dieses Spiels ein, als er einen schnurgeraden Pass von M. Hasler nur noch abzulenken brauchte und so den Goalie wunderbar überloben konnte. So verkürzten die Vipers nochmals auf 5 Tore. Jeder der Anwesenden Jonschwil-Fans erhoffte sich danach wieder einen solchen Sturmlauf wie in den ersten beiden Dritteln. Dazu standen die Sterne auch nicht allzu schlecht, holten sich die Bündner noch eine 2-Minuten-Strafe. In dieser zeigte sich aber die wahre Klasse des Favoriten, wusste dieser mit der Situation sehr gut umzugehen und machte die numerische Unterzahl durch Ersetzen des Torwarts wieder weg. Die Vipers liefen an, Cazis konterte und stellte so den Abstand von 6 Toren innerhalb kurzer Zeit wieder her. Die weitere «Überzahl» spielten die Blau-Gelben oftmals auch ohne Torhüter, was es dann K. Leutenegger ermöglichte, mit seinem zweiten Tor des Tages, wieder auf 5 Tore Unterschied zu stellen. Nach diesem Blitzstart, mit 3 Toren gleich zu Beginn des Drittels, liessen es die Mannschaften dann kurzzeitig etwas ruhiger angehen. Bis zu dem Zeitpunkt als die Vipers Offensive wiederum einen überfallartigen Angriff auslöste und nur noch regelwidrig am Torerfolg gehindert werden konnte. Der Schiedsrichter pfiff und formte mit beiden Armen ein grosses X, was in der Unihockey-Regel-Sprache das gleiche bedeutet, wie wenn der Unparteiische im Fussball auf den Punkt im Strafraum zeigt – Elfmeter! Für die Ausführung sollte einer der Serientorschützen herhalten, D. Alpert übernahm schlussendlich. Dieser lief an, täuschte schon weit vorne einen Schuss an, lief dann aber weiter und schob schlussendlich den Ball, eiskalt wie der Ötzi aus der Gletscherspalte, am Torhüter vorbei ins Ziel. Einen Penalty gegen einen ehemaligen Schweizer Nationalmannschafts- und Nationalliga A-Torhüter so cool zu versenken, kann man definitiv mal machen! Somit verkürzten die weiterhin heroisch kämpfenden Vipers nochmals auf 4 Tore Rückstand, weshalb der Match-Fernseher einen Zwischenstand von 14:18 aufzeigte. Dieser Zwischenstand hatte dann auch noch 10 Minuten vor der Schlusssirene bestand. Die Vipers versuchten dann mit frischen Kräften und einer Umstellung auf 3 Linien das Glück nochmals zu erzwingen. Leider war Fortuna aber anscheinend ebenfalls im Wochenende und verweigerte den Jonschwilern Ihre Hilfe. Denn S. Müller scheiterte mit einem weiteren Penalty am glänzend reagierenden Torwart und konnte somit den Abstand nicht weiter verkürzen. Im Gegenteil, dass durcheinanderwirbeln der Linien verwirrte die Vipers mehr, als das die Caziser nochmals in Bedrängnis geraten wären. Es entstanden in der Defensive der Jonschwiler einige Unzulänglichkeiten, was dem kaltblütigen Favoriten natürlich in die Karten spielte. So erhöhten die Blau-Gelben Ihr Score kontinuierlich um nochmals 5 Tore und zogen so dann doch (zu) hoch davon. So glich die Schlusssirene dann eher einer Erlösung für die Vipers, welche dem schnellen und hochstehenden Spiel am Ende doch noch Tribut zollten.
Den ganze Match ist auch auf Youtube zu sehen.
UHC Jonschwil Vipers 14:23 UHC Blau-Gelb Cazis
Somit bedeutet der Serienmeister und -Cupsieger Endstation für die Jonschwil Vipers. Trotz fulminanter Anfangsphase und einer zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Führung setzte sich am Ende die Erfahrenheit und Klasse der zwei Ligen höher spielenden Bündner durch. Dies soll aber keineswegs die Leistung des, wiederum aus drei Herren-Teams zusammengewürfelten, Cupteams schmälern. Grossartiger Kampf- und Teamgeist, schlitzohrige oder auch einfach nur wunderschön erzielte Tore sowie ein volles Haus mit einem tollen Publikum, haben dieses Spiel für viele zu einer schönen Erinnerung gemacht. Wir bedanken uns bei den Herren von Blau-Gelb Cazis und wünschen viel Erfolg bei den Titelverteidigungen in der kommenden Saison. Und wer weiss, vielleicht sieht man sich nächstes Jahr wieder, wir Vipers lauern auf jeden Fall auf eine Revanche!
Herzlichen Dank an dieser Stelle an sämtliche Helfer, unser Foto und Videoteam, sowie die zahlreichen Familien, Freunde und Bekannte welche als Zuschauer eine tolle Stimmung erzeugten. Es war eine Freude vor einer solchen Kulisse spielen zu dürfen und wir würden uns freuen, solche Momente noch mehrmals erleben zu dürfen. Bis bald also!
Für die Vipers im Einsatz: D. Alpert, J. Brändle, P. Egli, K. Gämperli, M. Gämperli, C. Götte, J. Gujer, D. Haag, M. Hasler, K. Leutenegger, M. Malgaroli, S. Müller, A. Thalmann, R. Zimmermann, M. Ammann (Coach)











